Unter dem Begriff Mitverschulden verstehen Versicherungen eine Situation, in der der Versicherungsnehmer selbst einen Teil der Verantwortung für den Schaden trägt, für den er eine Versicherung in Anspruch nehmen möchte. Das bedeutet, dass der Versicherungsnehmer durch sein eigenes Verhalten oder seine eigenen Entscheidungen zum Schaden beigetragen hat und somit nicht allein die Versicherung dafür verantwortlich gemacht werden kann.
Welche Gesetze gelten für das Mitverschulden?
Das Mitverschulden ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt und zwar in § 254. Dort heißt es:
"Hat bei der Entstehung des Schadens ein Verschulden des Beschädigten mitgewirkt, so hängt die Verpflichtung zum Ersatz sowie der Umfang des zu leistenden Ersatzes von den Umständen, insbesondere davon ab, inwieweit der Schaden vorwiegend von dem einen oder dem anderen Teil verursacht worden ist."
Das bedeutet, dass bei einem Schaden sowohl der Versicherungsnehmer als auch die Versicherung eine gewisse Verantwortung tragen und je nach Schwere des Mitverschuldens die Versicherung nicht den vollen Schaden übernehmen muss.
Wie wird das Mitverschulden ermittelt?
Die Ermittlung des Mitverschuldens ist ein wichtiger Schritt bei der Schadensregulierung. Hierbei wird geprüft, inwieweit der Versicherungsnehmer selbst für den Schaden verantwortlich ist. Dabei werden verschiedene Faktoren berücksichtigt, wie zum Beispiel die Art des Schadens, die Umstände und das Verhalten des Versicherungsnehmers. Auch die Höhe des Schadens kann eine Rolle spielen.
Welche Auswirkungen hat das Mitverschulden auf die Leistungen?
Das Mitverschulden kann Auswirkungen auf die Leistungen der Versicherung haben. In der Regel wird der Schaden bei einer Versicherung mit Mitverschulden nur anteilig übernommen. Das bedeutet, dass der Versicherungsnehmer einen Teil des Schadens selbst tragen muss. Die Höhe des Eigenanteils hängt dabei von der Höhe des Mitverschuldens ab. Je höher das Mitverschulden, desto höher ist auch der Eigenanteil.
Beispiel
Ein Versicherungsnehmer hat einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem ein Schaden in Höhe von 10.000 Euro entstanden ist. Die Versicherung übernimmt jedoch aufgrund des Mitverschuldens nur 80% des Schadens, also 8.000 Euro. Der Versicherungsnehmer muss somit selbst 20% des Schadens, also 2.000 Euro, tragen.
Welche Auswirkungen hat das Mitverschulden auf die Beiträge?
Das Mitverschulden kann auch Auswirkungen auf die Beiträge haben.
- Wenn ein Versicherungsnehmer mehrere Schäden verursacht, bei denen ein Mitverschulden vorliegt, kann dies zu einer Erhöhung der Beiträge führen.
- Versicherungen sehen in einem häufigen Mitverschulden ein erhöhtes Risiko und passen dementsprechend die Beiträge an.
- Auch bei Vertragsabschluss kann das Mitverschulden eine Rolle spielen und zu höheren Beiträgen führen.
Beispiele für Mitverschulden in der Praxis
- Ein Beispiel für Mitverschulden kann ein Verkehrsunfall sein:
Wenn der Versicherungsnehmer beim Autofahren grob fahrlässig gehandelt hat, z.B. indem er deutlich zu schnell unterwegs war oder die Verkehrsregeln missachtet hat, kann die Versicherung das Mitverschulden des Versicherungsnehmers anführen und die Schadenssumme entsprechend kürzen.
- Ein weiteres Beispiel ist eine Haftpflichtversicherung:
Wenn der Versicherungsnehmer eine private Feier veranstaltet und dabei die Sicherheitsvorkehrungen nicht ausreichend beachtet, kann es zu einem Schaden kommen, z.B. wenn ein Gast aufgrund von mangelnder Beleuchtung stürzt. In diesem Fall kann die Versicherung das Mitverschulden des Versicherungsnehmers geltend machen und die Schadenssumme entsprechend reduzieren.
Zusammenfassung
Mitverschulden liegt vor, wenn der Versicherungsnehmer selbst zu einem Schaden beigetragen hat, für den er Versicherungsleistungen beansprucht. Dies ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) in § 254 geregelt und kann dazu führen, dass die Versicherung nicht den vollen Schaden übernimmt. Die Höhe des Mitverschuldens und damit auch die des Eigenanteils am Schaden wird je nach Fall ermittelt. Mehrfaches Mitverschulden kann zu höheren Versicherungsbeiträgen führen. Praktische Beispiele für Mitverschulden sind grobe Fahrlässigkeit beim Autofahren oder unzureichende Sicherheitsvorkehrungen bei einer privaten Feier.
Synonyme:
Mitverschuldensanteil,Mitverursachung