Risiko-Sachversicherungen

Wenn die Kfz-Versicherung nach einem Schadensfall kündigt

Im Schadensfall darf auch ein Kfz-Versicherer gegenüber seinem Versicherungsnehmer den Vertrag nach einem Schadensfall kündigen. Die Kündigung muss dem Kunden nach Feststellung der Schadenhöhe mit einer Monatsfrist erfolgen. Während nach Paragraf 5 des Pflichtversicherungsgesetzes ein Versicherer die Kfz-Haftpflichtversicherung mindestens im Rahmen der gesetzlichen Mindestdeckung annehmen muss, ist es in der Regel schwierig, eine neue Kfz-Versicherung mit Teil- und Vollkasko abzuschließen. Für Verbraucher gibt es aber Möglichkeiten, die Kündigungsfolgen zumindest zu mildern.

 

Rechtliche Grundlagen der Kündigung

Nach dem Pflichtversicherungsgesetz (§ 5) müssen Kfz-Versicherer die Kfz-Haftpflichtversicherung zumindest im Rahmen der gesetzlichen Mindestdeckung annehmen. Allerdings sind Versicherer in der Regel dazu berechtigt, Verträge unter bestimmten Bedingungen zu kündigen. Diese gesetzlichen Regelungen bilden den Rahmen, innerhalb dessen sowohl Versicherer als auch Versicherungsnehmer ihre Kündigungsrechte ausüben können.

 

Gründe für die Kündigung durch den Versicherer

Ein Hauptgrund für die Kündigung seitens der Versicherung ist die Verletzung vertraglicher Pflichten durch den Versicherungsnehmer. Dies kann verschiedene Formen annehmen:

  • Unpünktliche oder ausbleibende Beitragszahlungen: Regelmäßige Beitragszahlungen sind eine grundlegende Verpflichtung des Versicherungsnehmers. Versäumnisse können zur Kündigung führen.
  • Falsche Angaben bei Vertragsabschluss: Wer beim Abschluss der Versicherung absichtlich oder unabsichtlich falsche Informationen liefert, riskiert eine Vertragskündigung.
  • Mehrfache Schadensfälle: Versicherer können Policen kündigen, wenn ein Versicherungsnehmer wiederholt Schäden geltend macht und so ein erhöhtes Risiko darstellt.

 

Prozess der Kündigung nach einem Schadensfall

Nachdem die Versicherung die Schadenhöhe festgestellt hat, erfolgt in den meisten Fällen die Kündigungsmitteilung gleichzeitig mit der Schadensregulierung. Der Versicherungsnehmer erhält ein offizielles Schreiben, in dem die Kündigung des Vertrags bestätigt wird.

Kündigungsfrist
Die Kündigung erfolgt in der Regel unter Einhaltung einer einmonatigen Kündigungsfrist. Das bedeutet, dass der Versicherungsnehmer ab dem Zeitpunkt der Kündigungsmitteilung noch einen Monat Zeit hat, eine neue Versicherung zu finden. Während dieser Frist wird der gemeldete Schaden noch reguliert.

Auswirkungen einer Kündigung auf den Versicherungsnehmer
Nach einer Kündigung durch den bisherigen Versicherer kann es schwierig sein, eine neue Kfz-Versicherung, insbesondere für Teil- und Vollkasko, zu finden, da Versicherungen bei Kunden mit Schadensgeschichte zögerlich sind. Wenn man jedoch eine neue Versicherung abschließt, könnten die Beiträge aufgrund des höheren Risikos, das die Versicherer sehen, teurer werden.

 

Strategien zur Vermeidung einer Kündigung

 

  1. Schadenrückkauf
    Eine Methode, die Kündigungsfolgen zu mildern, ist der Schadenrückkauf. Hierbei übernimmt der Versicherungsnehmer den Schaden selbst, um eine Rückstufung in der Schadenfreiheitsklasse zu vermeiden. Dies ist besonders bei kleineren Schäden unter 1.000 Euro empfehlenswert.

  2. Vertragssanierung
    Eine weitere Option ist die Vertragssanierung. Der Versicherer bietet dem Kunden an, auf die Kündigung zu verzichten, wenn dieser bereit ist, die Prämie zu erhöhen oder andere Änderungen im Vertrag zu akzeptieren. Diese Lösung ermöglicht es, den Versicherungsschutz aufrechtzuerhalten, ohne den Vertrag zu verlieren.

  3. Kündigungsumkehr
    Mit gegenwärtigem Verhandlungsgeschick ist es möglich, dass Versicherungsunternehmen ihre Kündigung zurücknehmen, insbesondere wenn der Versicherungsnehmer selbst kündigt. Dies verhindert, dass die Kündigung in der Datenbank der Versicherer vermerkt wird, was die Chancen auf einen akzeptierten Antrag bei neuen Versicherern erhöht.

 

Neuversicherung nach einer Kündigung

 

  1. Transparenz bei der Antragstellung
    Bei der Suche nach einer neuen Kfz-Versicherung ist es wichtig, transparent über die Gründe für die vorherige Kündigung zu sein. Versicherungsunternehmen überprüfen dies in der Regel über Datenbanken, sobald der Kunde angibt, früher gekündigt worden zu sein.

  2. Vergleich verschiedener Anbieter
    Um die besten Konditionen zu finden, empfiehlt es sich, verschiedene Versicherungsanbieter mittels Vergleichsportalen zu prüfen. Insbesondere nach einer Kündigung sollte der Fokus auf Versicherer gelegt werden, die bereit sind, höhere Beiträge aufgrund der Risikoeinschätzung zu akzeptieren.

 

Tipps für den Umgang mit Kündigungen

 

  1. Frühe Reaktion
    Es ist entscheidend, schnell nach einer Kündigung zu reagieren. Beginnen Sie umgehend mit der Suche nach einer neuen Versicherung, um die einmonatige Kündigungsfrist optimal zu nutzen.

  2. Kommunikation mit dem Versicherer
    Der offene Dialog mit dem Versicherer kann möglicherweise zu einer einvernehmlichen Lösung führen. Manchmal ist es möglich, durch die Anpassung des Vertrags weitere Schäden zu vermeiden.

  3. Nutzung von Unterstützungsangeboten
    Nutzen Sie die Unterstützung von Verbraucherschutzorganisationen oder Versicherungsombudsmännern, wenn Sie sich ungerecht behandelt fühlen. Diese Stellen können beratend und vermittelnd tätig werden.

 

Rechtliche Unterstützung und Verbraucherrechte

 

  1. Einschaltung von Schlichtungsstellen
    Verbraucher haben das Recht, sich an Schlichtungsstellen zu wenden, wenn es zu Streitigkeiten mit dem Versicherer kommt. Diese Stellen bieten eine neutrale Plattform zur Lösung von Konflikten.

  2. Rechtsberatung
    In komplexen Fällen kann es sinnvoll sein, einen Anwalt zu konsultieren, um die eigenen Rechte und Pflichten genau zu verstehen und durchzusetzen.