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BegriffDefinition
Risikoprüfung

Ein Versicherungsunternehmen führt eine Risikoprüfung durch, um das potenzielle Risiko eines möglichen Kunden sorgfältig abzuwägen. Ziel ist es, zu entscheiden, ob eine Police angeboten werden kann und unter welchen Konditionen. Dieser Schritt ist essenziell im Versicherungsprozess, da er den Versicherern ermöglicht, das Risiko zu analysieren und die entsprechenden Prämien festzulegen.

Warum ist diese Prüfung notwendig?
Versicherungsunternehmen nutzen Risikoprüfungen, um sich vor finanziellen Verlusten zu schützen. Bei Abschluss einer Police nehmen sie die Verantwortung auf sich, im Schadensfall eine Entschädigung zu leisten. Eine fundierte Risikobewertung erlaubt es ihnen, das Risiko zu kalkulieren und sicherzustellen, dass die Prämien ausreichend sind, um mögliche Schadensfälle abzudecken.

Welche Aspekte fließen in eine Risikoprüfung ein?
Die Bewertung berücksichtigt je nach Versicherungsart unterschiedliche Faktoren. Allgemein werden folgende Kriterien analysiert:

  1. Persönliche Daten wie Alter, Geschlecht, Beruf und Wohnort des Antragstellers, die das zu tragende Risiko beeinflussen können.
  2. Bei Lebens- oder Krankenversicherungen wird der Gesundheitszustand untersucht, um Risiken durch Krankheiten zu bewerten.
  3. Auch bestehende Versicherungen und frühere Schadensfälle werden geprüft, um das Risiko des Antragstellers besser einzuschätzen.
  4. Je nach Versicherungstyp, wie etwa Kfz-Versicherung, spielen Details wie Fahrzeugalter, Fahrzeugtyp und Fahrerfahrung eine Rolle.
  5. Die Höhe der versicherten Summe kann ebenfalls die Risikobeurteilung beeinflussen; je höher die Summe, desto größer das Risiko für den Versicherer.
  6. Zudem werden statistische Daten herangezogen, um das Risiko einzuschätzen, wie Unfallstatistiken bei Kfz-Versicherungen.

Wie erfolgt nun diese Risikoprüfung?
Sie beginnt typischerweise mit dem Ausfüllen eines Antragsformulars, auf dem alle für die Bewertung erforderlichen Informationen bereitgestellt werden. Der Versicherer überprüft dann die Angaben und fordert gegebenenfalls zusätzliche Nachweise an. Mit komplett vorliegenden Informationen bewertet der Versicherer das Risiko und entscheidet, ob und unter welchen Bedingungen eine Police angeboten wird. In manchen Fällen kann eine Versicherung abgelehnt oder Risiken ausgeschlossen werden.

Was sind die Konsequenzen einer schlechten Risikoprüfung?
Eine mangelhafte Prüfung kann für das Versicherungsunternehmen zu finanziellen Verlusten führen, da es möglicherweise nicht ausreichend auf Schadensfälle vorbereitet ist, was zu unzureichenden Prämien und Unternehmensverlusten führen kann. Für Kunden kann dies bedeuten, dass sie entweder keine Versicherung erhalten oder hohe Prämien zahlen müssen. Bei fehlerhaften Angaben besteht zudem das Risiko, dass der Versicherer im Schadensfall keine Leistung erbringt.

Welche rechtlichen Grundlagen existieren für Risikoprüfungen?
Diese basieren auf Gesetzen wie dem Versicherungsvertragsgesetz (VVG), dem Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) und der Versicherungsvermittlungsverordnung (VersVermV).

  1. Versicherungen sind verpflichtet, bei Risikoprüfungen die Prinzipien der Versicherungsmathematik zu befolgen, und müssen datenschutzrechtliche Vorgaben einhalten.
  2. Gemäß § 19 VVG dürfen nur für die Risikobewertung relevante Informationen eingeholt werden.
  3. Datenschutz spielt eine zentrale Rolle; erhobene Daten müssen vertraulich behandelt und nur zur Risikobewertung verwendet werden.
  4. Das VAG legt die wesentlichen Anforderungen an die Risikoprüfung fest, einschließlich der Gewährleistung von Solvabilität und Liquidität sowie des Datenschutzes.
  5. Die VersVermV regelt die Anforderungen an Vermittler, die über ausreichend Expertise in der Risikoprüfung verfügen müssen.

Welche Sanktionen drohen bei Nichteinhaltung der gesetzlichen Vorgaben?
Verstöße können zu Geldstrafen, Entzug der Vermittlungserlaubnis oder strafrechtlichen Konsequenzen führen. Versicherungsnehmer können sich bei unrechtmäßigen Prüfungen an Aufsichtsbehörden oder Anwälte wenden und haben das Recht auf Korrektur oder Löschung falscher Daten in ihren Akten.

Zusammenfassung
Versicherungen führen Risikoprüfungen durch, um zu entscheiden, ob und zu welchen Konditionen eine Police angeboten wird. Diese Prüfungen schützen Versicherer vor finanziellen Verlusten, indem sie sicherstellen, dass die Prämien mögliche Schadensfälle abdecken. Faktoren wie persönliche Daten, Gesundheitszustand und frühere Schadensfälle fließen in die Bewertung ein. Bei mangelhafter Prüfung drohen dem Versicherer finanzielle Verluste und dem Kunden hohe Prämien oder Versicherungsablehnung. Die rechtlichen Grundlagen für Risikoprüfungen finden sich im VVG, VAG und in der VersVermV, wobei Sanktionen bei Nichteinhaltung drohen.

Synonyme: Risikobewertung,Risikoprüfungen